Kommentare

 

06.06.2018, Westfälische Rundschau/Westfalenpost

 

24.05.2018, Westfälische Rundschau/Westfalenpost

 

22.05.2018, Westfälische Rundschau/Westfalenpost

 

Das Einzige, was zählt, ist Profit

Acht Grundeigentümer sind bereit, die weitgehend unberührte Natur des Frettertals in ein Windindustriegebiet zu verwandeln. Unter dem Mantel der Energiewende sollen die Höhenzüge, Wälder und Kulturlandschaften mit 200 Meter hohen Windmühlen verspargelt werden.

Die Landbesitzer fordern den Rat auf, nicht auf die Landesregierung zu warten, sondern wollen Tatsachen schaffen. Die Planungen der Investoren sind weit fortgeschritten, seitens der Gemeinde wurde bewusst spärlich informiert, das investierte Geld der Investoren muss ja schnell wieder mit dem Geld der Bürger eingespielt werden!

Das Einzige, was zählt, ist der Profit! Die Belange von Mensch und Natur werden nachrangig gestellt, obwohl diese acht Personen wissen müssten, dass eine Energiewende mit Windrädern in windarmen Gebieten nicht funktionieren kann. Hochsubventionierte Windkraft ist nicht in der Lage, die Stromversorgung sicherzustellen und hat deutlich mehr Nachteile als andere erneuerbare Erzeugungsmöglichkeiten. Warum eigentlich acht Stimmen? Sind es mit dem Bürgermeister nicht neun?

Marcus Bruse, April 2018

 

Windkraft in Finnentrop – Widerspruch zur CDU Kreis Olpe und der CDU / FDP Landesregierung

So wie ich es aus den Medien erfahre, erklärt Herr Bürgermeister Heß seinen Bürgern in der Gemeinde Finnentrop, dass er aufgrund der Bundesgesetzgebung nicht anders könne als „substanziell Windvorranggebiete“ auszuweisen, ansonsten drohe die „Verspargelung“. Diese Ausdrucksweise benutzen bundesweit die Windkraftlobbyisten und Lokalpolitiker seit mehreren Jahren, welche – zumeist aus eigenen (wenn auch oft nicht persönlich sondern nur eigenen behördlichen) finanziellen Interessen – insgeheim Windräder in ihrer Stadt oder Gemeinde aufgestellt haben möchten.

Seit dem Regierungswechsel in NRW sind die Aussichten für die Kommunen aber wesentlich größer geworden, Windräder größtenteils und oft auch ganz zu vermeiden. So sollen den Kommunen bei der Ausweisung der Windvorranggebiete größere Entscheidungsspielräume gegeben werden, die Errichtung von Windindustrieanlagen in den Wäldern wird deutlich erschwert, hinsichtlich Schallimmissionen und Gesundheitsschutz gibt es neue Entwicklungen. Wie sich eine neue Bundesregierung hinsichtlich der Energiewende orientiert ist noch nicht absehbar.

Warum wartet Herr Heß als Bürgermeister der Gemeinde Finnentrop nicht die politische Entwicklung hinsichtlich Windkraft sowohl bei der Landespolitik als auch bei der Bundespolitik ab? Spätestens im kommenden Sommer wird man die Richtung erkennen können; zumindest solange sollte auch in der Gemeinde Finnentrop gewartet werden, anstatt jetzt schon die Verfahren zu beschleunigen. Der Grund ist nicht ersichtlich. Die Angst des Bürgermeisters vor der drohenden Verspargelung kann es nicht sein. Ich kenne keine Stadt oder Gemeinde, die bereits verklagt wurde? Einen solchen vorauseilenden Gehorsam ist man von dem Bürgermeister Heß bisher gar nicht gewohnt gewesen.

Bürgermeister Heß findet es befremdlich, dass ich seine Zurückhaltung hinsichtlich der Aufklärung der Finnentroper Bürger über die veränderten politischen Bedingungen hinsichtlich Windrädern in NRW nach der Abwahl von Rot/Grün auf mögliche Wissensdefizite zurückführe. Ein besserer Grund fiel mir aber nicht ein, wenn ich von redlichen politischen Absichten des Bürgermeisters ausgehe.

Herr Heß sollte mit uns gemeinsam gegen Windräder kämpfen, wenn ihm am Wohl der Menschen und der Landschaft in der Gemeinde Finnentrop und im gesamten Südwestfalen gelegen ist. Dass eine Energiewende, welche die Windkraft einseitig bevorzugt, kein Erfolg werden kann, haben die meisten Menschen in Deutschland, die sich mit dem Thema beschäftigt haben, und nicht selbst finanziell von Windrädern profitieren, bereits verstanden.

Sein Spruch „Der liebe Gott hat nicht nur die schöne Landschaft gemacht sondern auch den Wind“ war übrigens unpassend, wenig originell und vor allem nicht sensibel in Bezug auf die Menschen, die sich ernsthafte Sorgen hinsichtlich des Landschaftsbildes, dem Wert ihrer Immobilien, dem Tourismus, dem Natur- und Tierschutz etc., schlicht um ihre Heimat machen.

Gerd Pulte, Dezember 2017

 

Kommentar zur Rolle von Bürgermeister und Gemeindevertretung

BM Hess fordert von besorgten Bürgern seiner Gemeinde Fairness gegenüber Investoren von Windrädern. Diese hätten schließlich schon Vorarbeiten für ihre geplanten Bauvorhaben geleistet. Und sie hätten sich gegenüber der Gemeindeverwaltung partnerschaftlich verhalten.

Zu diesen „Leistungen“ haben die Anwohner in unmittelbarer Nachbarschaft der vorgesehenen Windräder aber keine Investoren aufgefordert. Wohl aber können sie von ihrem Bürgermeister fordern, dass er seine Pflichten gegenüber den Bürgern seiner Gemeinde in fairer Weise wahrnimmt. Kraft seines Amtes hat er eine politische und moralische Pflicht der Fürsorge für seine Gemeinde. Dazu gehört ganz wesentlich, die Grundlagen für ihre Gesundheit und intakte Umgebung zu sichern. Die neue Landesregierung versucht diesem Auftrag mit neuen Empfehlungen für geeignete Standorte gerecht zu werden, z.B. einem Mindestabstand von 1500 Metern zwischen Wohnbebauung und hohen Windrädern. BM Hess sieht laut mündlichen Äußerungen diese Empfehlung für sich nicht als bindend an.

Das Leben auf dem Land bringt manche unvermeidlichen Erschwernisse mit sich: weitere Wege zu Schulen und Bildungsinstitutionen, zur Arbeitsstelle, zum Einkauf, zur ärztlichen und klinischen Versorgung. Es bietet als Ausgleich aber auch wunderbare Lebensmöglichkeiten, die der Gesundheit und dem Wohlbefinden dienen: ruhige Umgebung, schöne Landschaft, Rückzugsräume in der Natur, sozialer Zusammenhalt, erschwingliches Wohneigentum.

All diese Vorteile sind gefährdet, wenn Standorte für riesige Windräder mit über 200 m nicht sorgfältig nach den Bedürfnissen von Menschen, sondern dem Gewinnstreben weniger Profiteure ausgesucht werden. Gesundheitsrisiken, Verschandelung wunderbarer Landschaftsräume, Gefahr sozialer Spaltung, die durch Freundes- und Familienkreis gehen kann.

Bisher haben in Orten wie Serkenrode auch junge Menschen das Leben so attraktiv gefunden, dass in der nachwachsenden Generation immer wieder viele Bewohner ihrem Dorf treu geblieben sind und die jungen Familien geblieben sind, gebaut haben oder das Haus der vorhergehenden Generation übernommen haben. Diese Haltung spiegelt sich in einer gewachsenen Einwohnerzahl und relativ jungen Bevölkerung. Ob eine solche Entwicklung andauern wird, wenn laute Räder, Schlagschatten und gigantische Fremdkörper das Dorfbild prägen, ist zu bezweifeln.

Die Energiewende wird nicht geschafft, indem wir die Lebensräume von Menschen und Waldgebiete zerstören und gleichzeitig die Überproduktion von Windenergie im Norden ins Ausland verkaufen. Viele Experten und Wissenschaftler können dazu kluge Alternativen aufzeigen. Der Brief von 23 Waldbesitzern, u.a. Ennoch zu Guttenberg, der im November 2017 im „Handelsblatt“ veröffentlicht wurde, fordert ein Tabu für Windräder im Wald.

Diese Einsicht kommt hoffentlich auch für die Gemeinde Finnentrop noch nicht zu spät.

Ida Fend, Dezember 2017